„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen“

(Primo Levi, 1986)

 

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz und seine Nebenlager von der Roten Armee befreit. Durch die geöffneten Tore konnten 7000 Menschen ins Leben zurückkehren. Seit 1996 ist dieser Tag in Deutschland offizieller Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus.

Es ist der 27. Januar 2024. Auch in unserer Region demonstrieren wieder Tausende für die Grundwerte unserer Verfassung. Es geht darum den Feinden der Demokratie, den Rassisten, den Antisemiten rechtzeitig und in breiter Front an der Wahlurne, auf der Straße, mit kulturellen Aktivitäten Einhalt zu gebieten.

Der “Förderverein Synagoge Münstermaifeld“ lud an diesem Tag zu einer Lesung in die alte Aula des Kurfürst Balduin Gymnasiums ein. Ute Bales las aus ihrem neuesten Buch “Kornsand“ Der Saal war bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Der Zuspruch galt der Autorin und dem Thema.

Der Roman greift ein Kriegsereignis auf: “Die Kornsandverbrechen“. Der Täter, der 18-jährige Leutnant Hans Kaiser, hatte im September 1943 die Staatl. Aufbauschule in Münstermaifeld in den Krieg verlassen. Er kehrte 1946 an die Schule zurück und wurde im September 1948, kurz vor dem mündlichen Abitur, verhaftet.

Ute Bales gelingt mit der fiktionalen Fortschreibung der Folgen der individuellen und kollektiven Verdrängung dieser Tat ein ganz realer Brückenschlag zu den Anliegen der am 27. Januar 2024 Demonstrierenden. “Denn es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“