Krimmgasse und Matthiasstraße

Die Häuser in der Krimmgasse, ganz nahe der Stadtmauer, gehörten dem Lazarus Marx, gestorben 1904. Er betrieb wie nach ihm sein Sohn Karl Marx II Viehhandel. Karl Marx war von 1909 bis 1923 Vorsteher der Gemeinde. Nach dessen Tod 1924 lebte die Witwe Amalie Marx mit ihren Kindern in dem Haus Nr. 5. (1) Das Foto zeigt Amalie Marx. (3) Sie hatte zusammen mit ihrer Tochter Gerda 1939 einen Reisepass beantragt, der beiden verweigert wurde. Sie wurde 1942 in Treblinka ermordet. Ihr Sohn Julius wurde nach dem 10. November 1938 für 3 Monate in Dachau festgehalten. Er floh nach Frankreich und weiter nach Belgien. Von hier wurde er 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die Gestapo hatte unter dem 20.03.1939 seine Ausreise nach Kuba vermutet. Ob diese Widersprüche mit der Odyssee der MS. St. Louis zusammenhängen, konnte nicht geklärt werden. Die Brüder des Julius, Ernst, Richard (2r) und Walter (2l), hatten nach der Schulzeit Münstermaifeld verlassen und konnten sich über die Schweiz und Frankreich retten. Ernst und Richard lebten nach dem Krieg in Paris und Schiltigheim, Walter in Frankfurt/M. Das Haus der Marx und insbesondere Julius wurden schon 1936 bedrängt, wie sich Gertrud Krämer, eine Schulfreundin der Gerda, erinnert. In einem Verfahren vor dem Schwurgericht Koblenz 1951 bezeugte N. W., der im Haus der Marx lebte, gewalttätige Angriffe gegen das Haus und seine Bewohner. Der Straßenwärter W. wurde wegen einer Gewalttat gegen Julius 1950 zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Ein anderer Angriff durch den Pferdehändler Sch.konnte wegen Gedächtnislücken des behandelnden Arztes Dr. G. nicht geahndet werden. Auch für ihre Schadensersatzansprüche mussten die Söhne sich Verdächtigungen gefallen lassen, man habe doch auswandern wollen und das Mobiliar verkauft. Aus einem Brief des Richard Marx an Ulrike Elz-Eichler von 1986: “Ich fuhr langsam durch die Straßen. Plötzlich war mein Wagen von vielen Menschen umgeben, sie erkannten mich, schrien Richard, Richard, was ist durch die Schuld der Nazis aus deiner Familie geworden, besonders deine Mutter, die wir alle liebten. Für mich gab es nur eins, weg“.
Im Haus Krimmgasse 3 (1 links) lebte zuletzt Berta Herta Oster, die aus Hatzenport stammte. Sie wurde in Treblinka ermordet. Gerda und Robert Hessel hatten von dem Pferdehändler Wilhelm Kaufmann das Haus Matthiasstraße 4 (4) übernommen. Beide wurden an unbekanntem Ort ermordet. Wilhelm, seit 1920 Witwer, war von 1924-1930 Vorsitzender der Synagogengemeinde, von 1919-1925 war er auch Mitglied im Gemeinderat von Münstermaifeld. Ihm gelang 1941 über Lissabon die Flucht in die U.S.A. .Retten konnten sich,  zusammen mit ihrer Familie, auch seine Töchter Josephine Treidel und Leonie Wolff.

Die Numerierung der Bildhinweise im Text entspricht der Bildfolge von links.