Untertorstraße, Rosenstraße

Selma und Samuel Kaufmann (1) lebten im Haus Nr.9. (2) Selma war noch 1937 zu ihrer Tochter Nora nach Palästina gereist. Ihr Mann Samuel starb 1941 in der jüdischen Heilanstalt in Bendorf. Er betrieb bis 1930 eine Metzgerei, war politisch und gesellschaftlich sehr im Ort engagiert (Gemeinderat, Veteranenverein). Im ersten Weltkrieg wurde ihm das EK II verliehen, er kam schwer verletzt aus dem Krieg. Seine Frau Selma führte nach Aufgabe der Metzgerei 1930 hier ein Haushalts- und Spielwarengeschäft, dessen Schaufenster am 10.11.1938 geplündert wurde. Die drei Töchter Nora, Erna und Ilse (3) konnten sich über England nach Palästina und Argentinien retten. Nora Kaufmann ist 2016 als letzte der Schwestern in Jerusalem verstorben. Die Großmutter Bertha (86 J.) hatte noch 1939 vergeblich einen Ausreiseantrag für England gestellt. Bertha Kaufmann überlebte ihre Deportation nach Theresienstadt nur wenige Tage, ihr Tod wurde vom 03.08.1942 gemeldet. Ihre Schwiegertochter Selma wurde 1942 in Krasniczyn getötet. Am 20.01.1942 starb in diesem Haus Emma Sara Bender, am 08.10.1870 in Harpen geboren,  hatte vor einem Jahr hier Zuflucht gefunden. Sie war die Schwägerin des Rudolf Bender. Sie traf im Hause der Kaufmanns ihre Schwester Johanna Bender, die 1939 das Nachbarhaus aufgeben musste..Die Familien Kaufmann und Bender waren seit der Ehe des Samuel Kaufmann mit der Karolina Bender (1846) miteinander verwandt. Sara Bender wurde als Letzte auf dem Friedhof in Mertloch beerdigt.
Im Haus Nr.11 (2r) führte bis zu seinem Tode 1923 Rudolf Bender sehr erfolgreich eine Textilhandlung. Er war so erfolgreich, dass seine Konkurrenten gegen ihn mit der Aufforderung warben, “Christen kaufen zu christlichen Festen in christlichen Häusern“ Er war von 1894-1902 Vorsitzender der Synagogengemeinde. Seine zweite Frau Johanna, es gab keine Erben, musste das Haus 1939 verlassen. Nach ihrem Aufenthalt im Nachbarhaus der Kaufmanns musste sie seit dem 26.06.1942 im „Judenhaus“ auf ihre Deportation nach Theresienstadt warten.

Der erste nachgewiesene Vorsteher der Judengemeinde, Simon Bender (1769-1844,) bewohnte das Haus Rosenstraße 2 (5).. Er war Viehhändler. Schon sein Vater Salomon Bender hatte dieses Haus bewohnt. Im Haus Nr. 13 (4) lebte der Bruder des Simon und sein Nachfolger als Vorsitzender, Viktor1 (1787-1856). Er leitete die Gemeinde von 1824-1835. Er war Handelsmann..Er hat sich um  den Zusammenhalt der jüdischen Gemeinde vor ihrer gesetzlichen Anerkennung 1863 verdient gemacht.. Er war der reichste Jude der Stadt und rettete die Gemeinde immer wieder aus materieller und personeller Notlage. Mit Viktor Bender verlieren sich die Spuren der auf Salomon Bender zurückgehenden Familie in der Stadt.  .

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