Untertorstraße, Rosenstraße

Selma (*03.02.1882) und Samuel (*29.08.1882) Kaufmann  lebten im Haus Nr.9. Selma konnte noch 1937 zu ihrer Tochter Nora nach Palästina reisen. Wegen ihres Mannes, der in der Folge seiner Kriegsverletzung, er erhielt das EK II, 1930 seine Metzgerei aufgeben musste und ihrer 85jährigen Schwiegermutter Bertha war an eine Flucht nicht zu denken. Ihr Mann Samuel starb am 10.09.1941 in der  Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke in Sayn. Er war politisch und gesellschaftlich sehr im Ort engagiert (Gemeinderat, Veteranenverein). Seine Frau Selma führte nach Aufgabe der Metzgerei 1930 hier ein Haushalts- und Spielwarengeschäft, dessen Schaufenster am 10.11.1938 geplündert wurde. Die drei Töchter Nora (*22.06.1918), Erna (*28.12.1919) und Ilse (*15.05.1915) konnten sich über England nach Palästina und Argentinien retten. Nora Kaufmann ist 2016 als letzte der Schwestern in Jerusalem verstorben. Die Großmutter Bertha (*15.07.1853) hatte noch 1939 vergeblich einen Ausreiseantrag für England gestellt. Bertha Kaufmann, die vom 26.06.1942 bis 27.07.1942 im “Judenhaus“ interniert war, überlebte ihre Deportation nach Theresienstadt nur wenige Tage. Ihr Tod wurde vom 03.08.1942 gemeldet. Ihre Schwiegertochter Selma wurde 1942 in Krasniczyn getötet. Am 20.01.1942 starb in diesem Haus Emma Bender (*1870). Sie hatte vor einem Jahr aus Bochum hier Zuflucht gefunden. Sie war die Schwägerin des Rudolf Bender, der das Nachbarhaus besaß. Sie traf im Hause der Kaufmanns ihre Schwester Johanna Bender, die 1939 das Haus Nr.11 aufgeben musste. Emma Bender starb am 19.01.1941 und wurde als Letzte auf dem Friedhof in Mertloch beerdigt.

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Im Haus Nr.11 führte bis zu seinem Tode 1923 Rudolf Bender sehr erfolgreich eine Textilhandlung. Er war so erfolgreich, dass seine Konkurrenten gegen ihn mit der Aufforderung warben, “Christen kaufen zu christlichen Festen in christlichen Häusern“ Er war von 1894-1902 Vorsitzender der Synagogengemeinde. Nach dem Tod seiner ersten Frau Friederike, 1918, heiratete er 1920 in Bochum /Werne Johanna, geb. Bender (*25.08.1976). Es gab keine Erben. Johanna lebte als Witwe bis 1939 im Haus Untertorstraße 11. Sie fand danach Unterkunft bei den Kaufmanns im Nachbarhaus. Vom 26.06. – 27.07.1942 war sie gezwungen im “Judenhaus“ auf ihre Deportation nach Theresienstadt zu warten. Von Theresienstadt wurde sie am 19. September 1942 nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

 

Der erste nachgewiesene Vorsteher der Judengemeinde, Simon Bender (1769-1844,) bewohnte das Haus Rosenstraße 2 (5).. Er war Viehhändler. Schon sein Vater Salomon Bender hatte dieses Haus bewohnt. Im Haus Nr. 13 (4) lebte der Bruder des Simon und sein Nachfolger als Vorsitzender, Viktor1 (1787-1856). Er leitete die Gemeinde von 1824-1835. Er war Handelsmann..Er hat sich um  den Zusammenhalt der jüdischen Gemeinde vor ihrer gesetzlichen Anerkennung 1863 verdient gemacht.. Er war der reichste Jude der Stadt und rettete die Gemeinde immer wieder aus materieller und personeller Notlage. Mit Viktor Bender verlieren sich die Spuren der auf Salomon Bender zurückgehenden Familie in der Stadt.  .

Die Numerierung der Bildhinweise im Text entspricht der Bildfolge von links.