Stiftskirche

Wir beginnen unsere Suche nach den Spuren jüdischen Lebens und Sterbens in Münstermaifeld vor der Stiftskirche St. Martin und St. Severus. (1) Bis zur Besetzung der Stadt durch die französischen Revolutionstruppen, 1794, wissen wir über das Leben der Juden in der kurtrierischen Amtsstadt nur durch die Beurkundung von Geld- und Immobiliengeschäften. Der Bau der dritten Kirche begann 1225 und wurde mit der südlichen Vorhalle, dem Paradies, Ende des 14. Jh. zu Ende gebracht. In diese Zeit gehören die Namen der Juden, die sich in Münstermaifeld seit 1252 nachweisen lassen. Es bestand eine Jüdische Gemeinde mit einer Synagoge und einem Friedhof, wohl im Eltzer Wald. In diesen Jahren wurden die Juden der Stadt Opfer landesweiter Pogrome. Unter dem 17. Juli 1287 ist die Ermordung von 91 Männern, Frauen und Kindern bezeugt, 20 Familien wurden ausgelöscht, darunter 8 Talmud Schüler getötet. Dieses Blutbad war Teil einer Verfolgungswelle, die in Oberwesel nach Auffinden der Leiche des “Guten Werner“ ihren Ausgang nahm. Juden, die sich danach wieder in der Stadt niedergelassen hatten, wurden 1337 von den “Judenschlägern“ heimgesucht und fielen 1348/9 der allgemeinen Verfolgung zur Zeit des “Schwarzen Todes“ zum Opfer.

Für die Zeit von 1400 bis 1655 haben wir keine Nachweise über Juden in Münstermaifeld. Im Jahr 1710 ist die Veranlagung der “Judenschaft“ der Stadt zu einem Viertel der Reparaturkosten der städtischen Brunnenanlage belegt. Ein Jude Koppel kaufte 1671 das Haus “Bornstraße 3“, der es der Gemeinde als Synagoge zur Verfügung stellte. Die Wohnung im 1. Stock bleibt bis 1886 das Bethaus der Juden. Es ist die erste gesicherte topographische Angabe zum Leben der Juden in der Stadt. Das Schicksal der Juden, auch im Erzstift Trier, war den finanziellen Interessen des Landesherren und der Stände unterworfen. Sie auszubeuten und zu kontrollieren dienten seit 1419 die landesweiten Ausweisungen und danach seit 1618 die Judenordnungen.

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